Kategorie: Taurasi

Der Taurasi DOCG ist ein kräftiger, trockener Rotwein aus der Region Kampanien. Kampagnien ist die Zone um Neapel, die sich in Richtung Osten bis nach Apulien zieht. Im Süden wird Kampanien durch Basilikata bzw. dann durch Kalabrien begrenzt. Im Norden finden wir Latium. Der Taurasi Wein hat seinen Namen von der Ortschaft Taurasi. Diese liegt fast in der Mitte des Stiefels. Allerdings ist Taurasi wirklich nur ein sehr kleiner Ort mit ca. 3000 in der Provinz Avellino. Rings um den Ort findet man das Anbaugebiet des berühmten Weins. Es gibt eine klare Vorschrift welcher der Weine in welcher Lage sich Taurasi DOCG nennen darf. DOCG ist die höchste Qualitätsstufe für italienischen Wein.

Taurasi

Appellationen

Taurasi steht für eine der strengsten Herkunftsbezeichnungen Süditaliens. Der Name Taurasi bezeichnet nicht nur ein Dorf, sondern ein ganzes Regelwerk. Die Appellation Taurasi DOCG existiert seit 1993. Sie war die erste DOCG Süditaliens. Das zeigt den Stellenwert der Zone.

Die Regeln sind klar. Aglianico dominiert mit mindestens 85 Prozent. Die meisten Produzenten arbeiten mit 100 Prozent Aglianico. Der Ausbau verlangt Zeit. Drei Jahre Reife sind Pflicht. Mindestens ein Jahr verbringt der Wein im Holz. Die Version „Riserva“ fordert vier Jahre, davon mindestens 18 Monate im Fass. Diese Vorgaben zwingen zu Geduld. Schnelle Weine entstehen hier nicht.

Neben Taurasi DOCG existiert Aglianico del Taburno DOCG und Aglianico del Vulture DOC in anderen Regionen. Taurasi bleibt jedoch der Referenzpunkt in Kampanien. Der Name steht für Langlebigkeit und Struktur. Die Appellation schützt diesen Stil konsequent.

Innerhalb der DOCG liegen 17 Gemeinden. Sie bilden den historischen Kern des Aglianico-Anbaus in der Provinz Avellino. Unterschiede zwischen den Orten spielen eine große Rolle. Viele Winzer nennen die Gemeinde heute bewusst auf dem Etikett. Die Herkunft gewinnt an Tiefe.

Region

Taurasi liegt im östlichen Teil Kampaniens. Die Landschaft wirkt rauer als an der Küste. Irpinia prägt das Bild. Hügel und Berge bestimmen den Alltag. Die Weinberge liegen hoch. Viele Parzellen erreichen 400 bis 700 Meter über dem Meer.

Das Klima unterscheidet sich deutlich von Neapel oder der Amalfiküste. Die Sommer bleiben warm, aber nicht extrem. Die Nächte kühlen stark ab. Der Winter bringt Schnee. Diese Bedingungen verlängern die Reifezeit. Aglianico braucht genau das.

Die Böden variieren stark. Vulkanische Asche mischt sich mit Lehm und Kalk. Tonreiche Schichten speichern Wasser. In trockenen Jahren hilft das den Reben. In nassen Jahren verlangt es Präzision. 

Die Region wirkt landwirtschaftlich. Wein steht neben Haselnüssen, Getreide und Viehhaltung. Industrie fehlt. Diese Abgeschiedenheit bremste lange den Ruhm von Taurasi. Gleichzeitig bewahrte sie Authentizität. 

Eigenschaften

Aglianico aus Taurasi zeigt eine eigene Sprache. Der Wein wirkt streng in der Jugend. Tannin führt klar. Säure bleibt hoch. Alkohol bewegt sich oft über 13,5 Prozent, ohne zu dominieren. Diese Balance macht Taurasi einzigartig.

Die Farbe zeigt Tiefe. Rubin wandelt sich mit der Zeit zu Granat. Der Duft bleibt konzentriert. Schwarze Kirsche, Pflaume und getrocknete Kräuter stehen im Vordergrund. Mit Reife kommen Tabak, Leder und erdige Noten hinzu. Holz integriert sich langsam. 

Am Gaumen fordert der Wein Aufmerksamkeit. Taurasi schmeckt nicht beiläufig. Er braucht Luft. Er braucht Zeit im Glas. Essen gehört dazu. Fleischgerichte passen. Geschmorte Speisen funktionieren besonders gut.

Die Langlebigkeit zählt zu den größten Stärken. Gute Taurasi halten problemlos 20 Jahre. Manche Jahrgänge gehen darüber hinaus. Die Struktur trägt diese Entwicklung. Viele Winzer denken langfristig. Sie veröffentlichen Weine spät. Der Markt akzeptiert das.

In den letzten Jahren veränderte sich der Stil leicht. Die Lese erfolgt etwas früher. Die Frucht wirkt klarer. Tannine zeigen sich feiner. Der Grundcharakter bleibt jedoch erhalten. Taurasi bleibt kein Charmeur. Er bleibt ein Wein mit Haltung.

Produktionsmengen

Taurasi zählt zu den kleinsten DOCG Italiens. Die jährliche Produktion liegt bei rund 1,5 bis 2 Millionen Flaschen. Die Menge schwankt stark je nach Jahrgang. Wetter spielt eine große Rolle. Spätfröste und Regen während der Lese kommen vor.

Viele Betriebe produzieren weniger als 50.000 Flaschen Taurasi pro Jahr. Einige bekannte Namen liegen darüber. Großproduktionen fehlen. Diese Begrenzung erklärt die begrenzte Präsenz im Handel.

Ein erheblicher Teil der Produktion bleibt in Italien. Kampanien selbst nimmt viel ab. Restaurants und private Keller sichern Absatz. 

Die lange Reifezeit bindet Kapital. Das beeinflusst die Produktionsmenge zusätzlich. Nicht jeder Betrieb kann große Lager finanzieren. Manche verkaufen Trauben oder Wein an Kooperativen. Andere konzentrieren sich auf kleinere Mengen mit hohem Anspruch.

Anbaufläche

Die Rebfläche der Taurasi DOCG liegt bei etwa 1.000 Hektar. Davon trägt nur ein Teil aktiv zur DOCG-Produktion bei. Nicht jede Parzelle erreicht jedes Jahr die Qualitätsanforderungen. Strenge Selektion reduziert die effektive Fläche.

Aglianico dominiert fast vollständig. Andere Sorten spielen in dieser Appellation keine Rolle. Die Rebstöcke stehen oft alt. Viele Anlagen sind älter als 30 Jahre. Einige überschreiten 50 Jahre. Alte Reben liefern geringe Erträge, aber hohe Konzentration.

Die Parzellen verteilen sich auf viele Gemeinden. Mirabella Eclano, Montemarano und Castelfranci gelten als besonders prägend. Jede Zone zeigt Nuancen. Montemarano bringt oft strenge, säurebetonte Weine. Mirabella wirkt etwas runder. Diese Unterschiede gewinnen an Bedeutung.

Die Pflanzdichte variiert. Alte Anlagen stehen weit. Neue Pflanzungen folgen moderner Logik. Der Trend geht zu besserer Durchlüftung und präziser Ertragskontrolle. Bewässerung spielt kaum eine Rolle. Regen entscheidet.

Andere Besonderheiten

Taurasi besitzt eine tiefe historische Verwurzelung. Aglianico kam wahrscheinlich mit den Griechen nach Süditalien. Der Name leitet sich wohl von „Hellenico“ ab. In Irpinia fand die Sorte ideale Bedingungen. Die Römer schätzten den Wein bereits.

Die Region erlebte schwere Einschnitte. Das Erdbeben von 1980 zerstörte viele Dörfer. Auch der Weinbau litt. Der Wiederaufbau dauerte Jahre. Diese Phase prägte eine Generation von Winzern. Qualität gewann danach an Gewicht. Moderne Keller entstanden.

Taurasi zeigt heute zwei Strömungen. Traditionelle Produzenten setzen auf lange Maischestandzeiten und große Fässer. Moderne Betriebe arbeiten mit kürzerer Extraktion und Barriques. Beide Wege können überzeugen. Der Boden setzt Grenzen. Aglianico verzeiht wenig.

Der Wein verlangt Zeit beim Konsumenten. Viele Flaschen werden zu früh geöffnet. Geduld belohnt. Einige Winzer reagieren darauf mit späteren Releases oder Jahrgangstiefe im Sortiment. Das stärkt das Verständnis.

Kulinarisch passt Taurasi perfekt zur regionalen Küche. Lamm, Wild und kräftige Pastagerichte begleiten ihn ideal. Die Verbindung wirkt natürlich. Der Wein gehört zur Kultur, nicht nur zum Markt.

Anzahl der Winzer

In der Taurasi DOCG arbeiten rund 120 Weingüter. Nicht alle füllen selbst ab. Die Zahl der Betriebe mit eigener Taurasi-Abfüllung liegt bei etwa 70 bis 80. Der Rest liefert Trauben oder Wein an größere Häuser oder Genossenschaften.

Die meisten Betriebe bewirtschaften kleine Flächen. Fünf bis zehn Hektar gelten als normal. Nur wenige Weingüter überschreiten 30 Hektar innerhalb der DOCG. Familien prägen die Struktur. Entscheidungen fallen direkt. Der Winzer steht oft selbst im Weinberg.

Der Austausch zwischen den Produzenten funktioniert gut. Die Region bleibt überschaubar. Konkurrenz wirkt sachlich. Gemeinsame Herausforderungen verbinden. Klimawandel, Marktzugang und lange Kapitalbindung betreffen alle.

Junge Winzer kehren zunehmend zurück. Sie bringen Ausbildung und internationale Erfahrung. Gleichzeitig respektieren sie den Charakter von Taurasi. Dieser Dialog prägt die Zukunft.

Taurasi bleibt kein lauter Wein. Er sucht keine schnelle Bühne. Er überzeugt über Zeit. Genau darin liegt seine Stärke.